Prepared for the worst
Suck it up, breathe it deep, wake up from this creeping sleep

Nachdem Ana versagt hatte, mich ordentlich beim ersten Mal aufzufangen, gehören wir wieder einander.
Weihnachten wägte sich in Bescheidenheit, denn trotz der vorangegangenen Ereignisse in meinem Heime schien keiner meiner Freunde es als angemessen zu erachten, sich zu melden. Dies ist keine Hyperbel, wirklich nicht; dieses Pack an Heuchlern, denen ich bereits bei meinem ersten und meines Vaters letztem Atemzuge keine Erwartungen entgegengebracht habe, welche dann aber in Ergötzung der eigenen Person Unterstützung – in welcher Form, frage ich! – angeboten und sich selbst bereit gestellt haben, schickten weder SMS noch Private Mitteilung noch sonst etwas. Sie haben sich in Glückseligkeit mit ihrer Familie und Konsumgütern umgeben, hätten vermutlich vor Freude fast gekotzt. Nein, erzählt mir nicht, wie beschissen Euer Weihnachten war – meins war gut, das möchte ich mir nicht verderben lassen.
Sehe ich, was ich wieder schreibe, wundert es mich ja doch nicht. Manchmal kommt es mir vor, als wäre es zuviel der Gedanken, die gegen meine Schädeldecke hämmern, diese zu zerbersten drohen. Es ist schon beinahe seltsam, dass keiner das Pochen an der Stirne sehen kann, nicht die Perversitäten vor meinem geistigen Auge erkennt. Nicht einmal die Arroganz nehmen sie zur Kenntnis, wiese man sie nicht darauf hin. Und dann sind sie verwundert, schweigen.
Natürlich.
Ich sitze hier, sehe mich groß, weil ich hasse, weil ich vermeintlich zu schreiben weiß, bilde mir dann und wann etwas auf mein Gesicht ein, doch fürchte den Blick nach unten, will ich doch meinen Körper und auch die Leichen unter meinen Füßen nicht sehen. Ich verschrecke, denn ich will nicht, dass mich jemand ansieht. Ja, die Menschen sind meine Feinde, doch die verrottende, stinkende Masse führe ich auf meinem Rosse an. Wenn ich könnte, würde ich mich zum Gott erheben, zu einem despotischen, dessen eigene Lustbefriedung das höchste aller Ziele wäre. Und dabei bin ich doch nur die erbärmlichste Kreatur auf diesem Erdengrunde, nicht wert, dass mir etwas zugute kommt.
Unter Umständen gibt es ja einen Gott, denn meine Familie – im Besonderen der engere Kreis – musste sich schon unter so manchem Schlage ducken, dem sie ja doch nicht auszuweichen vermochte. Vielleicht waren wir ein Haufen Sünder, die nun Recht erfahren.
Es könnte aber auch sein, dass es mal jemanden wie mich gab, der nun droben thront, der uns bei unserem Straucheln zusieht – und dabei sein Kichern nicht hinter der Hand verstecken kann.

Morgen beginnt die Schule wieder. Huchha.

@ poisoned apple:
Tatsächlich habe ich bis Weihnachten jeden Tag entweder bis abends gearbeitet oder musste so lange in die Schule, dass es sich nicht mehr gelohnt hätte. Aber ich bin auf komplett neutraler Basis (vom Seelischen) - ab und zu bringt einem das eigene Komischsein wohl Vorteile.
Ist bei Dir denn alles in Ordnung? Weihnachten dürfte wohl für einige nicht gerade das Freudenfest schlechthin sein.

@ rita:
Tut mir Leid, ich weiß wirklich nicht mehr, woher er stammt. Aber nimm ihn Dir einfach; in der Szene wird dieses Verhalten doch gepflegt, wo sowieso die meisten Texte übersetzt sind.

@ Lilith:
Wie gesagt - ich bin momentan relativ neutral. Weihnachten habe ich zuhause mit meiner komplett kranken (man bedenke, wir sind sieben Personen) Familie verbracht. War eigentlich ganz entspannend, denn meine Kollegen sind teilweise wirklich nicht vom menschlich hochwertigsten Schlage.
Ich hoffe, Du konntest Dich zumindest in Ruhe in Deinem Zimmer verschanzen.

MfG,
~Hypnôse
7.1.09 00:14


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