Prepared for the worst
With the assistance of the inky soliloquiser

Am 12. April des Jahres 2009 werde ich volljährig, sprich morgen muss ich mich für alles selbst verantworten. Eigentlich habe ich die Bürde der Verantwortung längst seit Jahren meinen Schultern aufgelastet. Aus Verantwortung wurde der Drang nach einer Kontrolle, die in Ekstasen und Apathie verloren ging; genau drei Jahre ist das her. Vor drei Jahren habe ich aus einem gestörtem Verhalten zu meinem Körper und dem Essen eine Essstörung entwickelt.
Wer will schon glücklich sein, wer benötigt Gefühle, wenn er dünn sein kann? Was aber, wenn man nicht dünn wird, aber seine Gefühle doch verliert? Dann fängt man wahrscheinlich mit dem Fressen und Erbrechen an, unterbrochen von kurzen Hungerepisoden, die aber doch nichts mehr bringen. Jeder Tag zieht sich, wird eine Qual, die man nur übersteht, wenn man sich in seinem Zimmer verbarrikadiert, wenn man sein gesamtes Gedankengut auf das Essen fokussiert, wenn man zurücklässt, was man war, und sich selbst neu erschafft.
Meine Kreatur ist nicht gut geworden. Sie ist fett, verdorben und vollkommen untauglich, Emotionen zu entwickeln. Ihr Lächeln erreicht nicht die Augen, welche stets trocken bleiben. Warum kann sie nicht gut sein? Was soll sie mit der Leere machen, die sie immer wieder auf die Waage und vor den Spiegel treibt, der ihr entgegenschreit und offenbart, was sie ist: Ein []. Mehr nicht.

Habe es nicht gesehen, bis ich reingefallen bin; das Loch. Die Sonne lässt mich zurückschrecken, denn ich kann mich nicht mehr bedecken. Die letzten Wochen erinnerten an Binge Eating, ließen mich kaum noch schlafen. Aber ich sitze wieder auf meinem fetten Hintern mit 53,5, die ich morgen wieder um etwa ein Kilo reduziert haben werde. Und wieder rauffresse. Mir ist einfach nur noch kalt. Selbst schuld, habe ja auch das Feuer des Ofens erstickt, bevor es überhaupt ausgehen konnte. Jetzt stehe ich vor den Kohlen und kann sie nicht einmal mit meiner Zigarette wieder entfachen. Es tut mir nicht Leid, aber auch das tut mir nicht Leid. Es ist einfach egal. Da gab es keinen Rauch, der mir die Luft hätte nehmen können.

Ich stehe im Raum, der tiefer fällt.
11.4.09 18:26




DesignPicture
Gratis bloggen bei
myblog.de