Prepared for the worst
Epiphany

Kein Mensch hat mich so geprägt, wie er es getan hat - und kein Mensch könnte jemals fähig sein, mich so zu beeinflussen. Keinen anderen Menschen hätte ich jemals so hassen können - denn ich habe ihn so geliebt. Ich habe ihn so geliebt. Ich habe immer versucht, zu erreichen, was er liebt: Gott und Jesus und den Rest. Weil ich IMMER im Innern glaubte, dass er all das mehr geliebt hat, als er uns jemals lieben konnte. Ich weiß noch immer nicht, ob dem so war, aber ich kann ganz sicher behaupten, dass meine Idole die falschen waren. Dass es klar war, dass ich daran zerbrechen musste. Dass ich eine Essstörung entwickeln MUSSTE. Ich konnte nicht die Perfektion übersteigen, und doch verstehe ich, dass ich es mein Leben lang versucht habe. Ich konnte ihm nie verzeihen, dass er im Kleinkindalter eine meiner größten Ängste auch nur einmal ausgenutzt hat, um mich zu bestrafen. Ich konnte ihm nie wieder vertrauen, und dabei war er doch der mir Wichtigste. Keinem war ich so ähnlich. Keiner war so das Zentrum von allem. Meine Mutter war in meinen Augen stets nur ein nichtssagender Teil von ihm, denn nur er hatte Bedeutung.
Endlich sehe ich es. Der ganze Selbsthass musste zwangsläufig auf ihn projiziert werden, er war das Ziel, denn mich selbst konnte ich nicht treffen. Das war seine wie meine Charaktereigenschaft.
Wie verzweifelt muss ein Mensch werden, der sieht, dass sein eigenes - ihm so ähnliches - Kind ihn über alles hasst? Dass er einfach NICHTS, rein gar nichts tun kann, um diesen verdammten Zustand zu ändern?
Deshalb konnte ich auch die ersten Stunden nicht weinen. Wie zur Hölle soll ich denn realisieren, dass er tot ist? Wie soll ich denn damit klarkommen? Warum hat er im letzten Augenblick nicht mehr nach dem Leben greifen können, warum resignierte er? Ich weiß es.
Aber erst seitdem ist die Schale aufgebrochen. Ich kann endlich meinen Kern erreichen. Ich kann nach meinem Willen formen, ich kann dem Tag einen SINN geben, ich kann FÜHLEN!
Möge es auch nur eine Nuance sein: Ich habe mich verändert.
Und sitze hier unter Tränen.
21.12.09 03:43




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