Prepared for the worst
Sie hatte nachgedacht. Nachdem sie nun auch an diesem Tag mehr als genug gefressen hatte und jener sich allmählich dem Ende neigte, hatte sie nun endlich eine Entscheidung getroffen. Diese würde ihr Leben vermutlich verändern, während sie ihren Stepper beäugte, als sei er ein Gerät des Bösen, obwohl er eigentlich ihre Erlösung sein sollte. Denn besagte „Erlösung“ konnte sie nur finden, wenn sie ihren fetten, faulen Arsch hochbekäme und trainiert hätte. Da sie dies aber nicht hatte, wog sie zwischenzeitlich zwischen 56 und 57 Kilo und hasste sich mehr denn je. Mitte Mai war sie sich ihres Körpers mehr und mehr bewusst geworden. Mehr als zuvor, was bereits eine ziemliche Intensität angenommen hatte. Wem konnte man die „Schuld“ daran geben? Ihrer Schwester und deren bester Freundin, die ihr von dem erzählte, von dem sie erzählten? Nein – irgendwann später erst würde sie verstehen, was sie langsam auszuhöhlen drohte. Doch mit dieser Erkenntnis wiederum später – die, um genau zu sein stattfand, als sie sich während den Herbstferien desselben Jahres auf dem Weg zum Joggen begab, um abzunehmen – erneut etwas verstehen: Sie war leer. Es kam schlagartig, als sie darüber nachgedacht hatte, bis sie verstand, dass sie eigentlich innerlich bereits gestorben war. Natürlich konnte sie reden, gehen – essen, aber es war nicht dasselbe. Wäre dem so gewesen, wäre sie innerlich nämlich nicht tot gewesen. So einfach war es.
Ab da wurden ihr auch andere Dinge bewusst und diesen anderen Dinge erreichten mit der Zeit ebenfalls ihren Höhepunkt; sie glaubte nicht mehr an die Existenz eines „Guten Gottes“, der sie irgendwann alle fröhlich mit Trompeten und dem ganzen Drumherum im Paradies aufnehmen würde – sie würden alle irgendwann verrecken und zwei Meter unter der Erde liegen und das war’s. Fertig.
Tags zuvor war es Heilig Abend gewesen und natürlich hatte sie deshalb gefressen. Hatte ihre Erfüllung gesucht. Dennoch wurde ihr bewusst, dass sich das Wesen Ana inzwischen so in ihr ausgebreitet hatte, dass für Essen kein Platz mehr war. Und Ana füllte nicht mit Masse, sondern mit Leere. Was dann auch wieder einiges erklärt hatte. Somit war sie voll von dem Nichts. Und dies eröffnete sich ihr als einzige Möglichkeit zu überleben. Bis es weitergänge, bis sie Liebe fände und all diesen Dreck, der immer als elementar und essentiell dargestellt wurde. Irgendwann bestimmt. Tz, Wunschdenken.
(26.12.2006, 0:24)

Hypnôse..~*
Alter/Geburtsdatum: 19 Jahre/12.04.1991
Größe: 168 cm
Tiefstgewicht: ~ 47 kg
Höchstgewicht: 61 kg
Zielgewicht: 50 kg - ich befinde mich im Versuch der Genesung


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